Der junge Mann lag in einem großen Zimmer auf einem Futon. Er war
erst 25. Jahre alt. Ein gut aussehender junger Mann, in der Blüte seines Lebens. Das
mochte ein Fremder auf den ersten Blick denken, aber wenn man näher zu ihm schritt, sah
man Blut um seinen Mund. Immer wieder wacht er unter Schmerzen auf und hustet sich die
Seele aus dem Leib. 6Jahre gaben ihm die Ärzte damals. Eine Gnadenfrist. Sie waren
abgelaufen. Ikedaya hatte einen Schatten auf ihn geworfen. Dieser Krieg hatte ihm keine
Zeit gelassen, die ihm verbleibende Zeit zu geniessen. Er öffnete die Augen. Er hatte
jedoch keinen Tag bedauert.
Er hatte ja seine Freunde.
Wie auf ein Stichwort hin kam Saitoh mit ein paar anderen Shinsen Leuten in das Zimmer.
Sie blickten ihn traurig an. Immerhin war er der Hauptmann der ersten Einheit gewesen, ihr
bester Mann. Saitoh setzte sich neben seinen Weggefährten und streichelte seine Stirn.
Okita setzte sich hoch. Es kostete ihn viel Kraft, aber er wollte ihnen nicht so viel
Schwäche zeigen. Saitoh stützte ihn trotzdem. Das war das erste Mal, dass er ihm half.
Auch wenn Okita das als Demütigung hätte empfinden können, von Saitoh geholfen zu
bekommen war fast so als ob er nackt den Polka tanzt.
---Der Krieg ist vorbei--- sagte Okita schwach---und ich werde den Frieden nicht mehr
erleben--- Er hustete wieder los. Der Artzt kam rein und so beschlossen die Besucher ihn
in Ruhe zu lassen.
Wir sind in der Bar auf der anderen Strassenseite. Wenn etwas ist ruf uns.
Sie verließen den Raum. Saitoh blickte sich um. Seine Augen waren leer und emotionslos,
als er Okitas beruhigendes Lächeln sah. Es war, als ob er dieses sich unbedingt
einprägen müsste.
Er drehte sich um und verliess das Haus.
Okita hustete wieder.
Es war später Abend, als Okita von einem Windzug geweckt wurde. Das Schmerzmittel war
sehr stark und so brauchte er lange um etwas zu erkennen. Im Licht des offenen Fensters
sah er vor dem Sternenhimmel eine Gestalt. Er erkannte sie sofort. Er rührte sich nicht
und blickte ihn nur an. Ein Engel. Selbst wenn er noch seine Ktraft gehabt hätte, er
wäre tot gewesen, ehe er sein Schwert erreicht hatte. ---Battosai, welch eine Ehre. Doch
Du kommst zu spät. Der Tod klopft schon an meine Tür.--- Der junge Mann wendete ihm sein
Gesicht zu. Okita erschrak. Nicht, dass er sich geirrt hatte, doch der kalte mörderische
Blick, den er all die Jahre von ihm gewohnt war, fehlte. Zwei blaue offene Augen schauten
ihn an. So hatte er seinen Erzfeind noch nie gesehen. ---Ikedaya hat auf alle einen
Schatten geworfen.--- sagte eine sanfte Stimme. Langsam schritt er auf Okita zu und setzte
sich. ---Kenshin...--- Okita blickte ihn fragend an ---Himura Kenshin ist mein Name. Mein
Meister gab ihn mir, als er mich vor dem Tod rettete.--- ---Ein passender Name
"Schwertherz"--- Okita lächelte. ---Ja, ich habe ihn nie verstehen wollen, doch
heute weiß ich es besser. Ich habe die Tradition einer 300Jahre alten Schule verraten und
mich einer Macht unterstellt...--- Okita blickte ihn an. Er hatte sich nie um die
Beweggründe seiner Gegner gekümmert, aber dieser Mann, der tausende seiner Kameraden
locker getötet hatte, ohne die geringste Regung, interessierte ihn schon immer sehr.
---Hiten Mitsurugi Ryu. Ihre Meister vagabundieren durch Japan. Niemand kennt sie, niemand
vermisst sie. Sie sind Schatten und Licht der Geschichte...--- Er blickte nachdenklich.
Dann zog er sein Schwert hinaus. Ein Schwert mit verkehrter Klinge. Okita blickte
erstaunt. ---Um die Schwachen zu beschützen und meine Sünden zu büßen habe ich meinen
Dienst beendet. Ich werde wieder in die Nacht verschwinden. Ähnlich wie Du, nur daß ich
schon seit ihrem Tod vor 6Jahren tot bin.--- Er seufzte.
Okita lächelte und hob die Hand. Er legte sie auf seine Stirn. ---Eine alte Zeit geht,
eine neue kommt. Ob das, was Du mit Deinem Schwert erkämpft hast, Deinen Wünschen
entsprechen wird, wirst Du noch sehen können. Kämpfe weiter und werde zu dem, was Du
für uns immer warst, "Der Engel Der Nacht, Der Uns Den Frieden Bringt"--- Okita
lächelte kurz und fiel dann auf seinen Futon zurück.
Kenshin steckte das Schwert in seine Scheide zurück und blickte ihn nachdenklich an.
Nach einer Weile stand er wieder am Fenster. Er blickte zurück und lächelte. ---Danke---
Saitoh ging aus der Bar und schnappte nach Luft. Erschrocken blickte er in den Himmel.
Er kannte diese Gestalt nur zu gut. Er wollte ihm hinterher, als ihm klar wurde, dass er
von Okita kam. Schnell rannte er in das Gebäude. Er rannte die Patienten um und stürmte
in die Kammer.
---Okita--- schrie er. Die anderem waren ihm gefolgt.
Das Zimmer war wieder hell. Der junge Mann lehnte an der Wand. An der linken Schulter
lehnte sein Schwert. Er hatte ein friedliches Gesicht, wie als ob er schlief. In seiner
rechten lag ein Zettel, auf dem Saitoh stand.
Saitoh öffnete ihn und lass:
-Manchmal hat man keine Wahl. Wenn die Vergangenheit weh tut und die Gegenwart so viel
Leid mit sich bringt sollte man mutig nach vorne sehen. Das sagte mir Okita. Ein Mann, den
man nur bewundern kann. Sein Leben reichte nicht aus, um diese Gegenwart neu zu gestalten.
Das, was er nicht mehr kann, müssen nun jene übernehmen, die einen Weg kennen. Seine
Freunde. Lebet wohl in der Welt, die ihr euch erschafft. Einen Engel werdet ihr nie wieder
sehen. Himura Battosai. Patriot der Choushu-
Saitoh lächelte.
Saitoh schwelgte in der Erinnerung an ihn, als er die Menge hinter sich bemerkte.
Kaoru, Yahiko, Megumi, Sanosuke, Misao, Aoshi und Kenshin.
Dieser betrachtete seinen Grabstein. ---Hier liegt er.---
---Ja.--- Saitoh drehte sich weg und ging den Weg zum Ausgang.
Eine Träne floß über seine Wange, als Sanosuke ihm folgte.
Einen Freund zu verlieren tut immer weh, egal wie hart man tut. Sanosuke blickte nach
unten und folgte ihm.
Einen Freund zu finden, der zu einem passt, ist noch schwerer...
Er drehte sich um und feuerte Sanosuke eine. ---Hey, was ist denn los?--- fragte dieser.
---Nichts--- sagte Saitoh, drehte sich wieder um und ging weiter.
Während die Menschen, die sich als seine Freunde deklarierten, ihm folgten, huschte ein
Lächeln über seine Lippen.
Ende
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